Azetonämisches Erbrechen

Ich seh grad.. Nicht mal bei Wikipedia ist der Begriff erklärt!

Marie-Ann ist wieder krank. Sie war seit der Kur nicht eine Woche komplett im Kindergarten. Letzte Woche war sie immerhin vier Tage da, ist endlich wieder aufgetaut, bis sie Freitag Fieber bekam, schon wieder so "komisch" roch. Eigentlich war der Tag total verplant, vor allem haben wir uns so gefreut, weil uns Nachmittags unsere Krankenschwestern besuchen wollten (wir haben uns ewig nicht gesehen). Aber als Marie-Ann sich dann vormittags erbrach, sagte ich alles ab.

Es ist bei ihr wie immer: Erst riecht sie so komisch, als hätte sie schon erbrochen (jetzt weiß ich, daß das ein typischer Aceton-Geruch ist). Und dann erbricht sie sich alle paar Minuten, locker 40 Mal am Tag. Es bleibt wirklich nichts mehr drinn, auch Zäpfchen bringen so gut wie nichts. Ich geb ihr trotzdem zu Trinken, auch wenn alles retour kommt.

Man merkt Marie-Ann richtig an, wie genervt und auch verzweifelt sie ist, wenn das wieder losgeht. Unter dem Motto: "Oh nein, jetzt kommt das schon wieder und ich kann nichts machen!" Sie weiß dann gar nicht mehr, wohin mit sich oder wie sie überhaupt noch liegen soll. Sie ist dann leichenblass, richtig fahl im Gesicht und rutscht von einem Ende des Sofas auf's andere, dann wieder auf den Boden, mal Decke, mal nicht.. Das muß sowas von doof sein!

Nach dem "Spucktag" hängt sie sowas von durch, ist total abgeschlagen und schläft fast 20 Std am Tag. Genauso war es ja auch in der Kur. Trinken geht dann, schlecht ist ihr kaum noch, aber an Essen ist nicht zu denken. Nach ein paar Tagen geht es ihr dann von jetzt auf gleich viel besser und sie ißt wie ein Scheunendrescher. Dann merkt man ihr von der Krankheit vorher nichts mehr an!

Zweimal bin ich damit in die Klinik gefahren. Doch viel gemacht wurde nicht, vor allem war sie da gleich wieder fit! (auch ohne Infusion) Austrocknungsanzeichen hatte sie Gott-sei-Dank nie, aber das Erbrechen hielt auch nur einen Tag so extrem an. Trotzdem muß man da sehr vorsichtig und achtsam sein! Ja, aber eine Erklärung gab es auch nie.. Beim ersten Mal wurde ein Not-MRT gemacht.. Alles ok.. Beim zweiten Mal wurde schon gar nichts mehr groß gemacht.

Bei der Kur wurde mir ja dann gesagt, daß es typisch sei, daß Patienten mit Hirnerkrankungen mit Erbrechen zu tun haben.. Aber diese Form ist echt besonders fies! Ich kopier mal von einer medizinischen Infoseite rein, dann muß ich das nicht alles erklären:

Infektionen und psychische Belastungen können als Auslöser gelten.Bei Klein- und Schulkindern ist das azetonämische Erbrechen typisch. Es handelt sich dabei um heftige Brechanfälle ohne erkennbare pathologische Ursache. Kinder neigen bei einem Mangel an Kohlenhydraten dazu, verstärkt Ketonkörper zu bilden. Das passiert oft bei mangelndem Appetit und Nahrungsverweigerung z. B. bei verschiedenen Erkrankungen. Deshalb kommt es zum ersten Brechanfall, der durch die Ketonkörper ausgelöst wird, oft während einer Infektion. Auch sensible Kinder sind besonders gefährdet, wenn sie starken Emotionen oder psychischen Belastungen ausgesetzt sind.

Es entsteht ein Teufelskreis, der lebensbedrohend ist.Durch das heftige Erbrechen kommt es im Körper zu einem starken Elektrolytverlust und einer Übersäuerung (Azidose). Das führt wiederum, im mehreren Prozessen, zu einer verstärkten Bildung von Ketonkörpern. Die lösen dann wieder Erbrechen aus. Auf diese Weise bildet sich ein Teufelskreis, der innerhalb kurzer Zeit lebensbedrohlich werden kann. Azetonämisches Erbrechen ist ein Notfall.

 

40 bis 50 Brechanfälle pro Tag können vorkommen.Das Hauptmerkmal des azetonämischen oder auch ketonämischen Erbrechens ist der anfallsartige Beginn des Erbrechens. Die Kinder haben einen azetonischen (nach Essig oder Apfel) Mundgeruch. Je nach Schwere und Dauer können die Kinder dabei übererregt, apathisch oder benommen wirken. Den Anfällen können manchmal Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit oder psychische Verstimmungen um Stunden vorausgehen. Die Anfälle können sich 40 bis 50mal pro Tag wiederholen.

 

Verabreichung von Elektrolyten, Monosacchariden und Flüssigkeit durchbricht den Teufelskreis.

Die Behandlung konzentriert sich auf das Durchbrechen des Teufelskreises. Danach hört das Erbrechen auf. Von entscheidender Bedeutung ist die Normalisierung des Flüssigkeits- und Elektrolythaushaltes. die Verabreichung von Monosacchariden (Einfachzucker) wirkt der Bildung von Ketonkörpern entgegen. Dies geschieht entweder über eine Infusion oder über löffelweise Zufuhr einer Flüssigkeit mit entsprechenden Inhaltsstoffen. Die langsame Zufuhr ist sehr wichtig, damit die Flüssigkeit in den Schleimhäuten des Mundes und der Speiseröhre resorbiert werden kann, bevor sie den Magen erreicht und erneut erbrochen wird.

 

Also ätzend ätzend.. Wir sind Mitte Dezember in der Klinik, da sprech ich das ganze nochmal an. Vielleicht bitte ich auch den Kinderarzt, daß er uns schon mal was verordnet (vll ne Elektrolytelösung oder so), damit ich gleich was hierhabe, wenn das Drama losgeht. Denn wenn Marie-Ann so stark erbricht, komm ich mit ihr nirgendwohin. Und alleinlassen mag ich sie dann auch nicht..

Heute geht es ihr ok... Sie hängt noch durch, ißt noch nicht, aber sie weint nicht mehr so viel. Weinen tut sie auch gar nicht so wirklich. Sie liegt ganz lange ruhig da und auf einmal quakt sie ganz laut, daß man sich richtig erschreckt. Marie-Ann verhält sich oft wie ein Baby (nicht böse gemeint), wenn es ihr nicht gut geht. Die Geschwister sind total genervt davon, weil sie dann quäkt wie ein kleines und dauernd "Mamiiii" ruft. Ich glaube, sie braucht dann einfach meine Nähe und vll müssen wir das einfach so akzeptieren. Ich hoffe, daß sie versteht, daß sie in der Schule nicht in diese Rolle verfallen darf. Aber ich denke, das wird schon. Zuhause spring ich normalerweise nicht, wenn sie so quäkelt. Ich sage ihr, daß sie mir sagen soll, was los ist und nicht nur quäken soll (sie redet dann auch erst nicht mit mir, außer "Maaamiii". Doch wenn sie so krank ist, dann will ich sie nicht noch ärgern. Mal gucken, ob der Kinderpsychologe da noch einen Rat hat..

Aber mal davon ab, gibt es noch andere Dinge zu erzählen:

Wir bekommen Familienzuwachs! Also nicht in menschlicher Form, sondern in tierischer  Morgen ziehen bei uns zwei Zwergwidderkaninchen ein! Ich hab die ganze Zeit schon gegooglet und überlegt, welches Haustier für Marie-Ann geeignet sein könnte. Also natürlich weiß ich, daß ICH die Kosten und die Arbeit und auch die Verantwortung trage, aber ich denke, es würde ihr sehr gut tun, einen tierischen kleinen Freund zu haben. Eigentlich denke ich, ein Hund wäre am besten geeignet, aber der passt einfach nicht hier mit rein, außerdem würde ich mich damit wirklich grad übernehmen. Ich hab alle möglichen Tiere durchüberlegt (zumindest so einige ) und bin von den Kaninchen überzeugt (und auch schon verknallt, nachdem ich die Bilder gesehen habe!).

Wir haben zwar (noch) keinen Garten (dann kämen sie natürlich raus), aber ich hab günstig einen großen Käfig bekommen. Auslauf haben die kleinen Hoppel hier auch genug. Einzig das Saubermachen könnt mich irgendwann nerven.. Aber ich freu mich schon so auf die Häschen, da ist das auch noch machbar  Staubsaugen muß ich eh jeden Tag *gg*

Da die zwei Großen knatschig wurden, als ich sagte, ich möchte Marie-Ann Kaninchen kaufen, haben wir uns nun geeinigt, daß Sophie und Niklas eins aussuchen und Marie-Ann und ich. Morgen fahren wir zur Züchterin und gucken mal . Spannend!

Marie-Ann hat einen Luftsprung gemacht, als ich ihr davon erzählt habe! Sie hat gejauchzt und sich SO gefreut! Das hab ich selten so doll bei ihr erlebt, das war ganz toll!

...Schulische News gibt es auch:

Zum einen war ich bei Niklas Lehrerin. Sie ist insgesamt weiterhin zufrieden mit Niklas, vor allem weil er so lieb und anständig ist (das ist das wichtigste, finde ich). Er ist sehr beliebt in der Klasse (japp, ich kann die Geburtstagseinladungen nicht mehr zählen *gg*) und immer freundlich und hilfsbereit. In Mathe ist er "normal", was auch immer das heißen soll. Aber ich krieg ja mit, daß er das super hinbekommt, da brauch ich mir keine Gedanken machen. In Deutsch wechselt es.. Mal ist er konzentriert, mal macht er zig Fehler, verwechselt b und p usw.. Wenn es bis Ende des Schuljahres nicht besser ist, lassen wir prüfen, ob er vll eine leichte Lese-Rechtschreibschwäche hat. Sein Vater ist Legastheniker, das ist ja vererbbar. Legasthenie scheint er nicht zu haben *puh*, aber ein wenig Hilfe braucht er schon noch. Also muß ich mich auch treten, daß ich mehr mit ihm übe! Das geht aber auch so schnell unter.. Dabei ist das so wichtig!

Dann zu Sophie:

Das Gespräch mit der Lehrerin habe ich erst heute. Dann hör ich nochmal, ob es bei der Gymnasialempfehlung bleibt (wird es aber). Wir waren am Wochenende in dem nächstgelegenen Gymnasium und es war toll! Wir wurden gut informiert und haben uns die Schule angeschaut. Es ist wohl das einzigste Gymie in NRW, daß sich freiwillig einer Schulinspektion unterzogen hat und sie haben mit sehr gut abgeschnitten. Auch so wird die Schule sehr gelobt, hat einen guten Ruf. Die Lehrer, die wir dort kurz kennenlernten, waren alle sehr freundlich und vor allem sehr offen und einem zugewandt. Die ganze Atmosphäre war sehr freundlich. Die Schule ist groß, aber nicht zu groß.. (Etwas über 100 Schüler und um die 80 Lehrer) Und sie ist fußläufig erreichbar, macht tolle Projekte mit.

Sophie war ganz aus dem Häuschen. Sie hat dauernd gerufen: "Mama, hier sieht es ja aus wie in Hogwarts! Und HIER sieht es ja auch aus wie in Hogwarts! Mama, das ist ja WIRKLICH wie in  Hogwarts!" *gg* Die Marke! Sie will da unbedingt und auf jeden Fall hin! Und sie hätte eine Schulfreundin, mit der sie gemeinsam hingehen könnte.

Ich habe die Schule mit einem sehr guten Bauchgefühl verlassen und werde Sophie dort anmelden. Da sie die nötige Empfehlung hat und wir im Einzugsgebiet wohnen, wird sie bestimmt genommen werden. Aber ich habe auch gemerkt, daß das noch ne andere Stufe als Grundschule ist! Ich hab auf dem Pausenhof gedacht: Wo ist denn der Spielplatz? Stattdessen gibt es nen Abendkurs für Standarttänze! Jaaa.. Meine Maus wird groß und nun wird es langsam wirklich ernst!

Die Schule bietet ein Lernen lernen-Programm an, das finde ich sehr gut und nur hilfreich für Sophie. Das ist nämlich ihr einziges Problem, daß sie nicht lernen mag (schlecht, wenn man auf's Gymnasium möchte). Und überhaupt deshalb muß ich ja nochmal mit ihrer Lehrerin reden. Aber ich glaube, das war bei mir früher ähnlich. Und ich bin dann letzendlich (schreibt man das so?) doch auf die Realschule gegangen, war dann auch eher mittelgut, als herausragend. Ich hab mich meinen Anforderungen angepaßt und ich denke, das ist bei Sophie ähnlich. Dabei schlummert in ihr so viel Kreativität, sie verschlingt Bücher massenweise, liest ganze Lexika durch (ich hab keine Ahnung, wie oft sie sämtliche Harry Potter- Bände durchgelesen hat).. Ich sag ja: Meine Sophie Granger  Also ich denke, das sollten wir unbedingt versuchen mit der Schule! Und Sophie freut sich schon!

Sonst geht es uns gut. Es ist echt kalt geworden.. *brrr* Am Wochenende werden die Verwandten aus Hamburg kommen und mit den drei Größeren auf den Weihnachtsmarkt gehen, dann kann ich mal meine Nikolauseinkäufe machen. Und dann geht ja echt schon wieder die Adventszeit los! Schwupps, ist das Jahr schon wieder um.. Aber ich denke, wir hatten ein gutes Jahr! Endlich mal ein gutes Jahr, eins das nicht das vorige an Schwierigkeiten übertroffen hat! So darf es gerne weitergehen

22.11.10 08:16

bisher 3 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Anne (Echium) / Website (29.11.10 06:08)
Ohh, das hört sich nicht so toll an. Ich hoffe doch sehr, dass es der Kleinen wieder besser geht. Das ständige übergeben kann echt eine Qual sein.

Um so mehr erfreuen mich die tollen Schul-news von Sophie und Niklas.
Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass Sophie schnell Anschluss finden wird auf der neuen Schule und nun mal erlich: Welches Kind ist von Schule sooo begeistert? Das kann nur gut werden.
Das wichtigste ist doch sowieso, dass sich alle mit der Entscheidung gut fühlen und dein Bauchgefühl ist es, Sophie ist begeistert, also passt alles!

Fühl dich gedrückt!
Anne


DeathDragonHeart / Website (13.11.13 15:46)
Ich habe selber azetonämisches Erbrechen. Jeden Tag. Mein Körper spielt da nicht mehr lange mit. Der Arzt meint, ich könnte jeden Moment sterben. Seit meiner Geburt leide ich an dieser Krankheit, war schon dreimal ausgetrocknet und leide deswegen auch unter starken Depressionen. Zu oft musste ich dem Tod schon ins Auge blicken und nun die erschreckende Nachricht, dass mein Leben sofort enden kann. Ich rutsche ab. Kreislaufprobleme, Brechanfälle und Schlaflosigkeit sind mein Alltag. Ich nehme pro Tag ein Kilo ab, da ich nichts bei mir behalten kann. Es verschlimmert sich jeden Tag. Mittlerweile breche ich Blut. Ich muss immer mit der Angst leben einfach umzukippen und Tod irgendwo zu liegen. Ich kann euch verstehen.


H. Möbus (3.8.15 15:24)
Hallo, Ihr Lieben!
Meine Erfahrungn mit dem Atzetonämischen Erbrechen:
Ich bin inzwischen ja schon 77 Jahre, aber ich hatte den ganzen Krieg über dieses Leiden, ausgelöst immer durch Aufregung. Das erste Mal nach einem Bombenangriff 1941 mit 3 Jahren war ich 3 Tage ohnmächtig. Aber auch freudige Aufregung, als mein Vater auf Urlaub kam, konnten der Auslöser sein.Das letzte Mal hatte ich es, als auf der Flucht ein junges Mädchen durch Genickbruch zu Tode kam, dass in unserem Wagen (Viehwaggon)
mit ihrer Tante fuhr. Meine Mutter hatte immer eine Paket Traubenzucker bei sich und damit konnte sie mich manchmal wieder auf die Beine bringen.Die behandelnden Ärzte versprachen mir immer etwas, wenn ich wieder gesund würde. Und es klappte!
Als der Krieg vorbei war und wir wieder Ruhe hatten, hörte es schlagartig auf.Ich denke, es gibt vielleicht viele Auslöser dieser Krankheit. Alles Gute allen, die damit geplagt sind. H.M.

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